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Gödinghoven

Textquelle: Kuladig.de 
 

Der ehemalige Bauernhof Gödinghoven liegt in der Düsselniederung südlich Haus Morp am Mauspfad, der von Duisburg kommend über Ratingen, Gerresheim vorbei an Haus Morp und Haus Gödinghoven bis nach Köln führte. Von der vermutlich ehemals dreiseitig umschlossenen Hofanlage ist obertägig nur noch eine Scheune und ein Steingaden mit späterem Anbau erhalten. Der Name wird als „Gaden“, als Wehrspeicher gedeutet.

Alter Bahnübergang bei Gödinghoven und umbau

 

 

Geschichte
Haus Gödinghoven wird erstmals 1166 als Godenghoven (1583 Guedinghowen) erwähnt und gehörte zu den Höfen der Honschaft Morp. Bis zum 13. Jahrhundert waren die Morper Höfe in Besitz des Kloster Vilich bei Bonn. Im 13. Jahrhundert kamen Haus Morp und Gödinghoven in den Besitz des Klosters Gerresheim und dienten dem adeligen Damenstift als Fron- oder Zehnthof. Ab dem 16. Jahrhundert ist der Name in Verbindung mit verschiedenen Besitzern und Pächtern in den Quellen erwähnt. Im 16. Jahrhundert wird ein Peter Schluper zu Godingkoffen genannt. 1670 gehört das Anwesen dem Dürener Bürgermeister Meinharz. Im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts lebte ein Konrad von Gödinghoven auf dem Hof. Letzter Bewirtschafter war die Familie von Ritterskamp.
1837‒1841 wurde südlich des Hofes die älteste westdeutsche Eisenbahnlinie von Düsseldorf nach Erkrath und Wuppertal gebaut, die vermutlich die südlichen Bereiche der Hofanlage zerstörte. Vergeblich hatte Wilhelm Ritterskamp gegen den Bau der Eisenbahn geklagt.
1880 kaufte der Industrielle Friedrich Grillo das Gut und ließ 1911 eine Landarbeiterwohnung in den Steingaden einbauen, wobei das Innere vollständig umgestaltet wurde. 1927 wird nach einem Brand die heutige Scheune im Bereich der alten Scheune wieder aufgebaut. 1989-1994 restaurierte Familie Stertenbrink den Steingaden und errichtet die Betriebsgebäude im Bereich der überbauten Gebäude, die in der Urkarte von 1839 verzeichnet waren.

 


Hofanlage
Im Urriss von 1839 ist der Hof noch als eine dreiseitig umschlossene Hofanlage dargestellt. An den heute noch vorhandenen Steingaden setzten sich nach Norden und Westen jeweils zwei Anbauten an. Im Norden und Osten wird die Hofanlage von Stallgebäuden begrenzt, die vermutlich während des Brandes 1927 zerstört wurden. Die Lage von zwei weiteren Gebäuden im Westen und Nordwesten ist noch eingetragen, diese sind heute nicht mehr vorhanden.
Der Ausbau des Bauernhofes zu einem Wehrhof entsprach dem Sicherheitsbedürfnis am Mauspfad. Die Nordseite der Anlage war durch ausgedehnte Sümpfe geschützt. Die ehemalige Teichanlage schloss sich südlich daran an. Sie zeichnet sich noch im Gelände ab. Der Verlauf des Mauspfades zwischen Gödinghoven und Haus Unterbach ist im Bereich des Anstiegs bis Hochscheid an Hohlwegen zu erkennen (Flurnamen „Im Teufelsloch“, „An der Ruhr“). Die Steigung aus dem Tal (50 Meter Höhe) auf 110 Meter nach Süden bei Hochscheid macht die Notwendigkeit einer Vorspannfunktion mit Pferden bei beiden Höfen wahrscheinlich.

Von der mittelalterlichen Hofanlage steht heute der als Baudenkmal eingetragene Steingaden. Der Wehrturm hat durch die großen Fensteröffnungen nach Süden und Osten seinen Wehrcharakter teilweise verloren. Nach Norden und Westen ist der Burgturm noch gut zu erkennen. Der ehemalige Anbau eines Wohnhauses an den Steingaden ist durch die Reste einer Herdstelle mit Kamin sichtbar, außerdem weisen die Nordost- und Nordwestecken Aussparungen für eine Anschlussbebauung auf. Die Umbauten von 1911 auf der Süd- und Ostseite stellen zwar eine Veränderung der ursprünglichen Bausubstanz dar. Die Nutzung als Landarbeiterwohnung hat aber dem Steingaden die weitere Existenz gesichert.
Im Kellerbereich wurde das Tonnengewölbe durch eine preußische Kappendecke ersetzt. Die ursprünglichen Kellerfenster wurden bis auf eines ersetzt. Die Außenwände wurden durch neue Fenster nach Süden und Osten aufgebrochen. Das Mauerwerk unter der Dachzone und die Giebelfenster an den Schmalseiten wurden vollständig erneuert. Auch im Inneren wurden 1911 viele Veränderungen vorgenommen, so das Treppenhaus und die Raumaufteilung. Im Unterschied zu den Bauplänen wurde auf den Einbau eines ellipsenförmigen Fensters im Dachgiebel auf der Südseite verzichtet. Auch fielen auf der östlichen Satteldachfläche die Schleppgauben weg. Statt der großen Kreuzstockfenster wurden normale zweiflügelige Blendrahmenfenster mit zweifach unterteiltem Oberlicht eingesetzt.
Auf der Südseite wurde das Bruchsteinmauerwerk aus der Erbauungszeit um etwa einen Meter parallel zu den Ortgängen erhöht. Lage und Breite der heutigen Eingangstür entsprechen ebenfalls dem Zustand der Entstehungszeit. Nur im Bereich der Kellerdecke wurde der Durchgang etwas erweitert.
1995 kamen bei Fundamentierungsarbeiten für einen nördlichen Anbau ein unmittelbar an den Steingaden ansetzender spätmittelalterlicher/frühneuzeitlicher Keller mit Tonnengewölbe und Mauerfundamente der ehemaligen Anbauten zutage.

 


Steingaden im Bergischen Land
Seit dem 12. Jahrhundert entstanden im Bereich vieler bergischer Hofanlagen und Dörfer befestigte Speicherbauten, die der ländlichen Bevölkerung bis zum „allmählichen Abklingen des Fehdewesens nach 1500“, spätestens aber bis zum Ende des 30-jährigen Krieges zugleich auch als Zufluchts- und Verteidigungsort in Notzeiten dienten. Aufgrund ihrer Funktion und Gebäudehöhe stellten diese sogenannten „Gaden“, die in ihrem Erscheinungsbild dem „Berfes“, „Duffes“, „Garm“, „Gadumb“, „Spieker“ und „Steenwerk“ oder der „Kemnade“ im übrigen deutschen Sprachraum entsprechen, einen weit verbreiteten Bautypus dar, der im Bergischen Land wahrscheinlich nur durch seine bauliche Einbindung in ein Bauernhaus und durch die Möglichkeit einer sinnvollen Umnutzung als „Altenteil“ bis in das frühe 20. Jahrhundert in großer Zahl erhalten blieb.
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg fielen allerdings nicht nur im Bergischen Land viele Gaden „der Gleichgültigkeit und Verständnislosigkeit ihrer Eigentümer meist ohne zwingende Notwendigkeit zum Opfer“ oder wurden nach der wirtschaftlich bedingten Aufgabe vieler Bauernhöfe in den 1960/70er Jahren baulichen „Modernisierungsmaßnahmen“ unterzogen, die in der Regel mit einem weitgehenden Verlust der mittelalterlichen Bausubstanz verbunden waren. Obwohl die befestigten Speicherbauten im deutschen Sprachraum aufgrund ihres architektonischen Erscheinungsbildes einen ebenso auffälligen wie eigenständigen Bestandteil der mittelalterlichen Hofanlagen darstellten, ist der heutige Wissensstand über diesen Bautypus nicht sehr groß. Sieht man einmal von einigen Untersuchungsergebnissen in der „Hausforschung“ ab, so entsprach das mangelnde Verständnis für die Erhaltung der Gaden nach 1945 in der Regel dem fehlenden wissenschaftlichen Interesse, die Baugeschichte der ehemaligen Wehrspeicher aufzuarbeiten (nach R. Dauber).

 


Bau- und Bodendenkmal
Das Objekt ist eingetragenes Bau- und Bodendenkmal (Erkrath Baudenkmal lfd. Nr. 35/86, Bodendenkmal lfd. Nr. 108/94, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, ME 33, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Datenbank-Nr. 66350).

(Förderkreis Denkmal- und Kulturwege e.V. Erkrath / Claus Weber, LVR-Redaktion KuLaDig, 2017)

Quellen
Stadt Erkrath, Amt 63, Baugenehmigung 22.5.1911.
Gutachten Prof. R. Dauber RWTH Aachen vom 1.7.1988.

 

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